Die Bekämpfung der Ausbreitung von SARS-CoV-2 verlangt uns erhebliche Einschränkungen ab. Derzeit wird diskutiert, die Einschränkungen auszuweiten, um der Verbreitung des Virus noch stärker entgegenzutreten. Welche Maßnahmen welchen Effekt haben werden, kann man als Laie nicht ermessen. Dies scheint bereits für Fachleute recht schwierig zu sein.

Aber vielleicht kann man anhand von Zahlen erkennen, dass die bisher ergriffenen Maßnahmen etwas gebracht haben. Wirft man einen Blick auf die wöchentlich neu festgestellten Infektionszahlen, dann ergibt sich für den Zeitraum ab 7. März bis 20. November 2020 folgendes Bild (beachte: in der 7-Tagesumme vom 13.3.2020 sind die Meldungen ab 7.3.2020 enthalten):

Abb. 1: Wöchentlich neue SARS-CoV-2-Fälle lt. RKI

Die Schließung von Schulen und Kindergärten setzte am 16. März 2020 ein. Kontaktbeschränkungen und die Schließung von div. Einrichtungen (Geschäfte, Theater und vieles mehr) sowie der Wechsel ins Home-Office folgten in den anschließenden Tagen und Wochen. Berücksichtigt man, dass es zwei-drei Wochen dauert, bis sich Maßnahmen in den Infektionszahlen ausdrücken, kann man ein deutliches Abnehmen der Infektionen ab April 2020 erkennen und einen Zusammenhang zu den Schließungen und Kontaktbeschränkungen herstellen.

Schaut man sich die Wachstumsrate für dieselben 7-Tages-Abschnitte an, kann man denselben Effekt noch einmal beobachten:

Abb. 2: Faktor, um den sich die Zahl der wöchentlichen neuen SARS-CoV-2-Fälle
von der Zahl der Vorwoche unterscheidet

Der Multiplikator, um den sich die Zahl der neuen Fälle von derjenigen der Vorwoche unterscheidet, nimmt mit den Maßnahmen aus März und April 2020 erheblich ab. So dürften die Zahlen einen Hinweis auf die Wirksamkeit der Maßnahmen darstellen. Allerdings muss man auch sehen, dass sich die Wirksamkeit einer einzelnen Maßnahme schwer herausrechnen lässt, da immer mehrere Maßnahmen zusammenspielen. Welchen Anteil etwas das Tragen von Mund-Nasen-Bedeckungen hat, lässt sich anhand der Kurven allein nicht erkennen, da diese Maßnahme sich zeitlich mit den Lock down-Maßnahmen im Frühling überschnitten hat und bis in den Herbst hinein fortgesetzt wurde, während andere Maßnahmen zwischenzeitlich gelockert wurden.

Was man für den Herbst sehen kann ist, dass ein massives Anwachsen der Infektionszahlen stattgefunden hat. Die hohe Zahl der wöchentlich neuen Fälle zeigt die Abbildung 1 sehr deutlich. In der Woche bis zum 13. November 2020 waren es über 130.000 neue Fälle bundesweit. Dass sich diese hohen Werte in der Abbildung 2 nicht so deutlich sehen lassen liegt daran, dass die Wachstumsrate Woche für Woche nicht so hoch, aber die damit multiplizierten Fallzahlen eben schon sehr hoch waren. Ähnlich war der wöchentliche Zuwachs am 13. April 2020 und am 10. Oktober 2020 mit über 33.800 Fällen, wobei in der zweiten Oktoberhälfte sich die Fälle wöchentlich mehr als auf das Anderthalbfache steigerten (Faktor von rund 1,7), seit November der Wachstumsfaktor geringer wurde (1,2 und 1,1), zuletzt die Fallzahlen vom 13. bis zum 20. November nur noch um das 0,9-fache zunahmen, also zwar immer noch fast 128.500 neue Fälle festgestellt wurden, das Wachstum aber jetzt umgekehrt sein könnte.

Zieht man in Betracht, dass die neuen Beschränkungen bundesweit seit 2. November 2020 gelten, könnte in den neuen Zahlen ein Hinweis auf ihre Wirksamkeit gesehen werden. Ob sich diese Hinweise verdichten, werden die Zahlen der kommenden Wochen zeigen.

Weiter muss man sehen, dass auch bei Verdichtung der Hinweise für die Wirksamkeit des jetzigen Teil-Shutdowns noch nicht gesagt ist, ob die jetzt geltenden Maßnahmen ausreichend sind. Hierbei ist zunächst zu sehen, dass sich die Zahlen für die nachgewiesenen Neuinfektionen immer noch im Bereich über 100.000 Personen pro Woche befinden. Selbst wenn sie jetzt absinken, muss man beobachten, wie viele Personen dabei neu erkranken und teilweise schwere Verläufe aufweisen.

Die folgende Abbildung zeigt die Zahl der SARS-CoV-2-Patienten, die ein Intensivbett belegen. Es ist zu sehen, dass die Zahl dieser Patienten seit Oktober massiv angestiegen ist. Am 21. November 2020 waren 6.216 Intensivbetten frei. Daneben existiert noch eine Notreserve von rund 12.000 Intensivbetten. Die Prognose, wie viele Intensivpatienten es in den nächsten Wochen geben wird, hängt stark von der Zusammensetzung der Menge der Erkrankten hinsichtlich ihres Risikos ab, mit einem schweren Verlauf zu erkranken und eine Behandlung auf der Intensivstation zu benötigen.

Abb. 3: Zahl der SARS-CoV-2-Patienten lt. DIVI Invensivregister,
die ein Intensivbett belegen