Etwas längeren Atem brauchen wir wohl noch. Noch immer liegen die wöchentlichen Neuansteckungen mit dem SARS-CoV-2-Virus weit über dem Niveau als im vergangenen Sommer. Anfang September waren es noch weniger als 10.000 Neuansteckungen mit dem neuartigen Coronavirus, die dem Robert-Koch-Institut gemeldet wurden, jetzt sind es gut 86.000 gewesen, die letzte Woche einen positiven Corona-Nachweis hatten.

Neuansteckungen mit dem SARS-CoV-2-Virus in jeweils sieben Tagen
Zahlen: Robert-Koch-Institut, Stand: 3.2.2021

Schaut man sich die Kurve an, zeigt sich, dass es noch eine ganze Weile dauern kann, bis Verhältnisse vorherrschen, wie wir sie im vergangenen Sommer hatten. Wenn die Kurve sich so weiterentwickelt, wie es jetzt aussieht, nämlich durchaus recht steil nach unten geht, wird es noch ein paar Wochen dauern.

Das kann für viele durchaus hart sein. Finanziell und psychologisch ist der Lockdown für viele Menschen eine harte Herausforderung. Das lässt sich nicht wegdiskutieren. Ebenso wenig lässt sich leugnen, dass es kaum gute Vorschläge gibt, wie es mit dem Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus anders laufen könnte.

Den Vorschlag, einfach die Altenheime und Alten besser zu schützen, braucht man inzwischen nicht weiter zu vertiefen. Es würde zum einen einen großen Teil der Menschen in Deutschland von allem abschneiden, was das Zusammenleben ausmacht. Auch funktionieren kann das kaum, weil alte Menschen auch einkaufen können müssen oder beliefert werden, viele gepflegt werden müssen – all’ das geht nicht ohne Kontakt zu jüngeren Menschen. Ungefährlich wird das erst, wenn alle Kontaktpersonen wirksam auch gegen die Weitergabe des Virus geimpft sind. Bis dahin dauert es aber noch, selbst wenn man Pfleger, Paketboten, Essensauslieferer usw. zuerst impfen würde. Oder umgekehrt, bis alle älteren Menschen geimpft sind, wird es auch noch Monate dauern. Es funktioniert einfach nicht, einfach nur die Älteren zu schützen. Und wie sieht es mit den Risikogruppen aus?

Auch würde es nicht ausreichen. Selbst wenn alle Älteren und Angehörigen der Risikogruppen geimpft sein sollten, kann man dem Virus nicht freien Lauf lassen. Es werden immer noch zu viele Menschen angesteckt werden, erkranken und auch sterben. Oder an Langzeitfolgen leiden. Man muss sich nur die Meldungen in den Zeitungen ansehen: auch jetzt, wo nur ein geringer Anteil der Bevölkerung Kontakt mit dem Virus hat, sterben auch junge und gesunde Menschen. Und wenn dem Virus freie Bahn gegeben wird, dann stecken sich so viele (jüngere) Menschen an, dass auch bei einem kleineren Anteil von schweren Verläufen die Zahl der Intensivpatienten und tödlichen Verläufe so häuft, dass wir in den Krankenhäusern Verhältnisse haben wie jetzt – und dann wieder einen Lockdown bräuchten, damit noch allen medizinisch geholfen werden kann.

Das heißt alles nicht, dass man sich überlegen muss, ob man den Lockdown für die eine oder andere betroffene Branche lockern kann, wo sich ausreichende Hygieneregeln gut umsetzen lassen. Veranstaltungen, wo viele Menschen zusammenkommen, werden es aber nicht sein können. Auch wird man sich noch mehr Gedanken für Bereiche machen müssen, die bisher allenfalls von einer Maskenpflicht betroffen sind. Busse und Bahnen zur Hauptverkehrszeit, dürfen einfach nicht vollbesetzt werden, um ein Beispiel zu nennen.

Im Grundsatz wird es weiterhin so sein: Einschränkungen, zum Teil harte Einschränkungen, werden sich solange nicht vermeiden lassen, bis ein ausreichender Anteil der Bevölkerung gegen das neuartige Coronavirus geimpft ist. Ausreichend ist der Anteil der Bevölkerung, wenn Infizierte nur so selten jemanden treffen, der nicht immun ist, dass eine Ansteckungskette gut nachvollziehbar und zu unterbrechen ist.

Dann gilt es – Stichwort: #NoCovid – die Entscheidung zu treffen, ob man jetzt den Lockdown lieber um eine gewisse Zeit verlängert, um die Ansteckungsrate ganz weit nach unten zu senken, oder sich lediglich an einem bestimmten Grenzwert orientiert wie dem der 50 Ansteckungen pro 100.000 Einwohner, der im vergangenen Sommer festgelegt wurde. Vorteil des längeren Lockdowns wäre es, dass man die Zahl der Ansteckungen so weit absenken würde, dass anschließend man bei relativ starken Lockerungen einzelne Ansteckungsvorgänge gut eindämmen könnte, während man bei einem kürzeren Lockdown davon ausgehen darf, dass man noch für längere Zeit zwischen Lockdown und Lockerungen hin- und herwechseln müsste. Der Wechsel zwischen Lockdowns und Lockerungen hätte nicht nur den Nachteil, dass viele Menschen das mit ihrer Gesundheit und teilweise mit ihrem Leben bezahlen müssten, sondern auch, dass man kaum für längere Zeit planen kann, weil man nicht weiß, wann und für wie lange der nächste Lockdown kommt.

Und hier zum Schluss noch etwas erfrischender: ein Beitrag von maiLab auf Youtube.