Seit gut einem Monat gelten die bundesweit verschärften Bestimmungen zu Eindämmung des SARS-Cov-2-Virus. Zeit, sich anzusehen, ob die Maßnahmen als hinreichend, überzogen oder zu milde zu betrachten sind. Für eine umfassende Analyse bedarf es einer ganzen Reihe von Faktoren. Hier wird vereinfacht und nur auf die Zahl der Neuinfektionen geschaut. Damit kann man zwar nicht abschließend beurteilen, ob die Maßnahmen ausreichen. Aber man kann sehen, dass sie wirken. Weniger Neuinfektionen sind immerhin eine gute Grundlage für weniger Kranke und auch Tote sowie auch die Verhinderung der Überlastung der Intensivstationen und des Gesundheitswesens.

Die folgende Darstellung zeigt die Zahl der an das Robert-Koch-Institut gemeldeten Neuinfektionen für jeweils sieben Tage. Mit der wochenweisen Zusammenfassung werden Schwankungen zwischen einzelnen Tagen ausgeglichen, die sich aus Meldeverzögerungen etc. ergeben.

Zahl der Neuinfektionen für je sieben Tage;
Zahlen vom Robert-Koch-Institut, 4.12.2020

Was zeigt sich? Der massive Anstieg der Zahl der Neuinfektionen, wie er noch im Oktober stattfand, ist augenscheinlich gestoppt. Die Wirkung der neuen Maßnahmen zeigt sich mit ein-zwei Wochen Verzögerung, weil es meist gut eine Woche (und noch länger) dauert, bis aus einer Ansteckung ein positives Testergebnis resultiert.

Aber es zeigt sich auch, dass die Ansteckungszahlen insgesamt auf einem hohen Niveau sind und sie sich nur zögerlich vermindern. Die bisher ergriffenen Maßnahmen eignen sich also weniger, die Pandemie zurückzudrängen, als dass sie eine Verschärfung der Ansteckungssituation verhindern. Ob sie ausreichen, um die Intensivstationen zu entlasten, auf die ja immer (auch) geschaut wird, muss man sich über die Bettenbelegung informieren. In den Zeitreihen des DIVI Intensivregisters lässt sich die Situation recht anschaulich nachvollziehen. Danach gibt es in Deutschland durchaus noch Intensivbetten sowie auch noch eine Notfallreserve. Es ist aber auch zu sehen, dass gegenüber der Situation im Sommer mit regelmäßig weniger als 300 SARS-CoV-2-Patienten inzwischen rund 4.000 Corona-Patienten in den Intensivstationen liegen.

Anzahl SARS-CoV-2-Patienten bundesweit
Quelle: DIVI Intensivregister, 4.12.2020

Und es ist zu sehen, dass die Belegung mit Corona-Patienten weiterhin zunimmt, wenn auch die Zunahme seit Mitte November 2020 etwas verlangsamt ist – auch dies kann ein Zeichen dafür sein, dass die seit Anfang November geltenden zusätzlichen Maßnahmen wirksam sind.

Schließlich ist die Zahl der Menschen zu sehen, die mit oder an SARS-CoV-2 verstorben sind. Naturgemäß – die Krankheit kann einige Wochen Zeit andauern – wirken sich Maßnahmen auf die Zahl der Toten vergleichsweise stark zeitverzögert aus. Bisher ist von Anfang November bis Anfang Dezember 2020 lediglich ein Anstieg zu sehen. Die Zahlen an sich sind nicht ohne Weiteres über die Zeitachse mit Beschränkungen als korrelierend im Zusammenhang zu sehen. Zwischen Maßnahmen und Wirkung (mehr oder weniger Tote) stehen verschiedene Faktoren. Hierzu gehört auch der Anteil der ältesten Bevölkerungsmitglieder. Vermehrte Ausbrüche in Altenheimen z. B. können besonders viele Tote mit sich bringen, während das Infektionsgeschehen in der Gesellschaft insgesamt sich in eine andere Richtung bewegt. Aber: natürlich wirkt es sich aus, wenn weniger Menschen (und damit auch: Pfleger, Besucher) überhaupt infiziert sind.

Gemeldete SARS-CoV-2-Verstorbene,
Zahlen vom Robert-Koch-Institut, 4.12.2020

Um zu Lockerungen zurückkehren zu können, bedarf es demnach in der Gesamtbetrachtung offenbar noch Geduld oder härterer Einschränkungen.